Menorca ist kein Land großer Weinberge wie La Rioja oder das Penedès — und genau deshalb überrascht sein Wein. Auf einer Insel, die man eher für ihre Buchten als für ihre Weingüter kennt, hat eine Handvoll Erzeuger eine fast verschwundene Weinbautradition zurückgeholt und daraus etwas Kleines, Ehrliches und sehr Eigenes gemacht: Weine, die kaum die Insel verlassen, weil sie hier getrunken werden.
Dieser Leitfaden erzählt, was auf Menorca angebaut wird, wie die Weine schmecken, welche Weingüter man besuchen kann und wo Sie eine Flasche für zu Hause kaufen.
Das Wesentliche
- Qualitätsstatus: IGP Vi de la Terra Illa de Menorca (seit 2002), die garantiert, dass die Trauben auf der Insel wachsen.
- Rote Rebsorten: Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Monastrell, Tempranillo, Garnacha.
- Weiße Rebsorten: Chardonnay, Malvasía, Moscatel, Macabeo, Parellada und die einheimische Prensal.
- Stile: ausgewogene, fruchtige Rotweine; frische, aromatische Weißweine. Kleine Produktion, stark auf den Verbrauch vor Ort ausgerichtet.
- Wo probieren: in den Weingütern selbst (mehrere bieten Führung und Verkostung an), in Restaurants und in Läden mit Inselprodukten.
Eine Tradition, die zurückkehrt
Der Weinberg gehörte jahrhundertelang zur menorquinischen Landschaft, doch die Reblaus, der wirtschaftliche Wandel und der Tourismus drängten ihn zurück, bis er fast verschwunden war. Die Wiedergeburt kam Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts, als mehrere Familien und Projekte auf Neuanpflanzung und moderne Kellertechnik setzten. Die Schaffung der IGP Vi de la Terra Illa de Menorca im Jahr 2002 gab diesem Aufbruch einen rechtlichen Rahmen.
Heute ist der menorquinische Weinbau bewusst klein. Er konkurriert nicht über die Menge, sondern über den Charakter: Weine, die an ein Mikroklima aus Meeresbrise, Feuchtigkeit und eigenwilligen Böden gebunden sind und von Weingütern in menschlichem Maßstab stammen. Ein großer Teil der Produktion wird auf der Insel selbst verkauft — menorquinischen Wein zu trinken ist also fast immer ein Genuss, der sich nur hier ganz erschließt.
Was hier wächst und wie es schmeckt
Beim Rotwein dominieren mediterrane und internationale Sorten — Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Monastrell —, die Weine mit roten Früchten, Gewürznoten und weichen Tanninen ergeben: gedacht, um den Tisch zu begleiten, ohne sich aufzudrängen. Beim Weißwein steuert die Malvasía die Aromen bei, während Chardonnay, Moscatel und die einheimische Prensal frische, trockene Weine hervorbringen, die man in der Sommerhitze besonders zu schätzen weiß.
Erwarten Sie keine großen Lagerweine und keine Sammlerpreise: Menorquinischer Wein ist vor allem Wein zum Trinken, jung und lebendig, zu einem gereiften Käse, einem Fisch von der Auktion oder einer Caldereta.
Weingüter zum Besuchen
Mehrere Weingüter öffnen ihre Türen für Besuch und Verkostung. Die Bedingungen ändern sich mit der Saison, reservieren Sie also immer im Voraus. Einige der zugänglichsten:
- Bodegas Binifadet — in Sant Lluís, das größte Weingut der Insel und heute das einzige, das Schaumweine erzeugt. Führung, Verkostung und Restaurant.
- Torralbenc — in Alaior, mit Weinbergen rund um ein Landhotel und einem Verkostungserlebnis.
- Hort de Sant Patrici — in Ferreries, ein Gut, das Weingut und Käserei mit g.U. vereint, mit Museum, Laden und Führungen. Zwei Inselprodukte an einer einzigen Station.
Es gibt weitere Weingüter im Erzeugerverband der Insel, doch nicht alle sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Wenn Sie ein bestimmtes interessiert, fragen Sie dort direkt nach, ob es Besucher empfängt.
Wo Sie ihn kaufen
Am schönsten kaufen Sie ihn im Weingut selbst, nach der Verkostung, wo man Ihnen außerdem erklärt, was Sie mitnehmen. Ansonsten finden Sie ihn in Läden mit regionalen Produkten und in guten Restaurants der Insel, die immer stärker auf die menorquinische Karte setzen. Wegen seines lokalen Charakters und der begrenzten Menge ist er außerhalb Menorcas nicht immer leicht zu bekommen — ein Grund mehr, im Koffer Platz zu lassen.
Unser Urteil
Der Wein Menorcas will nicht beeindrucken, und darin liegt sein Reiz. Er spiegelt eine Insel, die das Kleine und gut Gemachte dem Großen und Lauten vorzieht. Nehmen Sie einen Merlot oder einen weißen Malvasía mit, öffnen Sie ihn zu einem guten Inselkäse, und Sie verstehen mit einem Schluck die Philosophie dieses Ortes: Ruhe, Urteilskraft und der Geschmack von hier. Und wenn es sich einrichten lässt, trinken Sie ihn dort, wo er entsteht — auf einer Terrasse mit Blick auf die Reben. Dann zählt das Glas doppelt.