Es gibt ein Gran Canaria, das in den Prospekten des Südens nicht vorkommt: grün, morgens feucht, mit Kiefernwäldern in der Höhe und Terrassen voller Obstbäume, die bis ans Meer reichen. Agaete ist seine heimliche Hauptstadt. Der Ort blickt über ein enges Tal und zieht sich bis zum Puerto de las Nieves hinunter, einer Fischermole unter den Felswänden des Tamadaba-Massivs. Ein Ort, an dem man früh ankommt und es mit dem Aufbruch nicht eilig hat.

Das Wichtigste

  • Im Tal von Agaete wächst Kaffee: Es gilt als einziger Ort in der EU, an dem Kaffee vollständig angebaut und verarbeitet wird.
  • Puerto de las Nieves ist Fischerhafen und zugleich Fährterminal nach Santa Cruz de Tenerife.
  • Am 4. August verwandelt die Bajada de la Rama den Ort: Fest von nationalem touristischem Interesse seit 1972.
  • Stand: Oktober 2026.

Das Tal

Das Tal von Agaete steigt zwischen Felswänden und terrassierten Fincas ins Inselinnere an. Hier wachsen Zitrusfrüchte, tropisches Obst und vor allem Kaffee, den einige Fincas direkt im Tal anbauen und verarbeiten. Dass in Europa eine Kaffeeplantage gedeiht, ist eine Seltenheit – möglich durch das milde, geschützte Klima der Schlucht. Besuche auf einer Finca, wo angeboten, bucht man direkt dort; die ganze Geschichte von Kaffee und Wein der Insel erzählt unser Beitrag über Kaffee und Wein auf Gran Canaria.

Die Straße durch das Tal ist schmal und will langsam gefahren werden. Genau darum geht es.

Ort und Hafen

Agaete ist weiß, mit kurzen Gassen und kleinen Plätzen. Unten lebt Puerto de las Nieves vom Meer und von der Fähre: Von der Mole fährt Fred. Olsen Express nach Santa Cruz de Tenerife, eine Überfahrt von gut einer Stunde; die Fahrpläne ändern sich, also bitte bei der Reederei prüfen.

Am Hafen steht die Kapelle Nuestra Señora de las Nieves mit einem flämischen Triptychon, das Joos van Cleve zugeschrieben wird – eine Erinnerung an die Zeit, als der Zucker der Insel mit Flandern gehandelt wurde. Vor der Küste verlor der Dedo de Dios („Finger Gottes“), einst Wahrzeichen des Hafens, im November 2005 beim Tropensturm Delta seine Spitze. Was übrig ist, steht noch immer dort, niedriger jetzt, vor den Klippen von Tamadaba.

Die richtige Stunde ist die letzte des Tages: Die Sonne geht im Westen über dem Meer unter, und an klaren Abenden zeichnet sich am Horizont die Silhouette des Teide ab.

Der August und die Rama

Am 4. August feiert Agaete die Bajada de la Rama, das große Fest des Nordwestens: Einheimische und Besucher ziehen mit Zweigen aus den Kiefernwäldern der Höhe in den Ort hinunter, begleitet von Musik, in einem Ritus alten Ursprungs. Seit 1972 ist es ein Fest von nationalem touristischem Interesse, 2025 kamen mehr als 50.000 Menschen. Ein intensives, zutiefst lokales Erlebnis. Und das Gegenteil von Ruhe: Wer aus anderen Gründen kommt, wählt eine andere Woche. Mehr dazu in unserem Jahreskalender für Gran Canaria.

Anreise und unterwegs

Agaete liegt an der Nordwestküste und ist über die nördliche Küstenstraße mit Las Palmas verbunden. Die Inselbusse – hier guaguas genannt – fahren den Ort und den Hafen an. Wer an der Küste weiter nach La Aldea de San Nicolás möchte, prüft vor der Abfahrt beim Cabildo den Zustand der Straße. Alles Weitere unter unterwegs auf Gran Canaria.

Auf dem Weg, wenige Kilometer entfernt, liegt in Gáldar eine der wichtigsten Fundstätten der Ureinwohner: die Cueva Pintada. Gáldar und Agaete zusammen ergeben einen runden Tag.

Unser Maßstab

Konkrete Restaurants empfehlen wir in diesem Beitrag nicht: Tal und Hafen sollen sich mit Zeit erschließen. Stand: Oktober 2026; Fährzeiten und Straßenzustand immer bei der offiziellen Quelle.