Manche Orte betrachtet man, andere betritt man. Die Cueva de los Verdes gehört zu den zweiten: ein Abstieg ins Innere eines Lavastroms, durch den Tunnel, den der Vulkan La Corona vor Tausenden von Jahren zum Meer hin geöffnet hat.
Derselbe Vulkan, von innen
Die Höhle ist Teil derselben Lavaröhre wie die Jameos del Agua, nur wenige Minuten entfernt. Als die Lava von La Corona außen erkaltete und innen weiterfloss, blieb ein mehrere Kilometer langer Kanal zurück, der den Norden der Insel bis zur Küste durchzieht. Die Jameos sind der Abschnitt, in dem die Decke eingestürzt ist und Licht hereinfällt; die Cueva de los Verdes ist der Abschnitt, der geschlossen blieb.
Im 16. und 17. Jahrhundert versteckten sich die Bewohner des Nordens hier, wenn Barbaresken-Piraten und Korsaren landeten. Ein paar Meter hinunter, und man versteht, warum: Das Labyrinth der Gänge verschluckte jeden, der es nicht kannte.
Die Handschrift von Jesús Soto
Gestaltet wurde der Weg von Jesús Soto, einem Mitarbeiter César Manriques. Seine Arbeit ist fast unsichtbar, und genau das ist gewollt: ein tiefes, warmes Licht, das die Formen der Lava nachzeichnet und Stege, die man kaum bemerkt.
Keine Vitrinen, keine Schilder. Die Wände – ocker, rot und schwarz, mit jeder Biegung anders – erledigen alles. Und das Ende der Führung hält eine Überraschung bereit, die man besser nicht verrät: Sie gehört zum Handwerk des Guides und zum Zauber des Ortes.
Warum man ein Zeitfenster bucht
Die Besichtigung ist immer geführt und findet in Gruppen statt; Tickets gibt es nur online, für ein festes Datum und eine feste Uhrzeit. So bleibt die Höhle frei von Gedränge, und das Tempo bestimmt der Guide, nicht die Warteschlange. Der Rundgang dauert knapp eine Stunde, mit niedrigen Decken und Stufen: bequeme Schuhe und die Bereitschaft, sich zu bücken.
Für ausgeprägt klaustrophobische Menschen ist das nichts. Für alle anderen ist es eines der eindringlichsten Erlebnisse der Insel – und eines der stillsten.
Höhle und Jameos an einem Vormittag
Am ruhigsten erlebt man den vulkanischen Norden, wenn man beide Besuche ohne Eile verbindet:
- Früh am Morgen die Cueva de los Verdes, im ersten Zeitfenster, das sich buchen lässt. So bleibt der Rest des Vormittags frei, ohne Blick auf die Uhr.
- Danach die Jameos del Agua, wenige Autominuten entfernt. Der ideale Kontrapunkt: nach dem Dunkel der Höhle das Licht über dem See.
- Mittagessen im Norden und den Nachmittag für Haría und den Mirador del Río freihalten.
Wer das Warum dahinter verstehen will: Unser Porträt von César Manrique erklärt das Netz der Zentren, zu dem die Höhle gehört.
Praktisches
- Wo: Gemeinde Haría, an der Nordostküste, neben den Jameos del Agua.
- Anfahrt: Verkehrsmittel und Optionen unter Unterwegs auf Lanzarote.
- Betreiber: die Kunst-, Kultur- und Tourismuszentren des Cabildo de Lanzarote (CACT).
- Tickets: nur online, mit Datum und Uhrzeit. Preise und Zeitfenster auf der offiziellen CACT-Website (Stand Oktober 2026; bitte vorher prüfen).
- Rücksicht: die Wände nicht berühren und keine Lavastücke mitnehmen. Was in der Höhle ist, bleibt in der Höhle.