Wer nur den Süden Lanzarotes kennt, nimmt das Bild einer schwarz-ockerfarbenen Insel mit, junger Lava und harten Lichts. Der Norden ist anders: höher, kühler, mit Palmen in den Talsohlen und einer Ruhe, die nicht von der Saison abhängt. Er verdient einen ganzen Tag – ohne Uhr.
Haría, das Tal der tausend Palmen
Haría heißt das Tal der tausend Palmen, und der Name übertreibt nicht. Wer von den Höhen zum Ort hinunterfährt, sieht die Vulkanlandschaft in ein graugrünes Tal übergehen, übersät mit Palmen, verstreuten weißen Häusern und Gärten auf den Terrassen.
Hier verbrachte César Manrique seine letzten Jahre, nachdem er sein Haus in Tahíche verlassen hatte. Kein Zufall: In diesem Winkel der Insel versteht man am besten, wofür er stand – eine niedrige, weiße Architektur, die nicht mit der Landschaft konkurriert. Den Hintergrund liefert unser Porträt von César Manrique.
Haría erkundet man zu Fuß und ohne Eile: der Platz, die schattigen Gassen, die Stille am Nachmittag. Ein Ort zum Sitzen, nicht zum Abhaken.
Hinauf zum Risco de Famara
Von Haría steigt die Straße nach Norden durch immer offeneres Land, bis sie an den Rand des Risco de Famara gelangt, der großen Steilküste, die die Insel im Nordwesten abschließt. Unten das Meer, gegenüber La Graciosa und die Inselchen des Chinijo-Archipels.
Der Mirador del Río
Oben auf der Klippe, mehr als vierhundert Meter über dem Meer, baute Manrique 1973 gemeinsam mit Eduardo Cáceres und Jesús Soto den Mirador del Río, auf einer alten Geschützbatterie aus dem 19. Jahrhundert. Das Besondere: Man sieht das Gebäude kaum. Es sitzt im Fels und ist von der Straße aus fast unsichtbar.
Drinnen führt ein gebogener, dämmriger Gang in einen Raum mit großen Fenstern. Und dann zeigt sich alles auf einmal: die Meerenge El Río, ganz La Graciosa zu Füßen, die senkrecht abfallende Klippe. Der Effekt ist gewollt, und er wirkt bei jedem Besuch.
Am Fuß der Klippe erkennt man die Salinas del Río, die als älteste Salinen der Kanaren gelten. Von oben gesehen, ein farbiges Raster am Wasser, sind sie ein Detail, das man gern wiedererkennt.
Am schönsten ist es am Nachmittag, wenn das Licht seitlich über La Graciosa fällt und weniger Besucher da sind als mittags. Bei Dunst oder starkem Nordwind schließt sich die Sicht: vor der Fahrt hinauf den Himmel prüfen.
So plant man den Tag
- Vormittag: die Cueva de los Verdes und die Jameos del Agua an der Nordostküste.
- Mittag: hinunter nach Haría, in Ruhe essen und durch den Ort spazieren.
- Nachmittag: hinauf zum Mirador del Río und so lange bleiben, wie das Licht es verlangt.
Die Straßen im Norden sind schmal und kurvig: gelassen fahren und nicht mehr Stopps aneinanderreihen als nötig.
Praktisches
- Mirador del Río: betrieben von den Kunst-, Kultur- und Tourismuszentren des Cabildo de Lanzarote (CACT). Eintritt kostenpflichtig; Öffnungszeiten und Preise auf der offiziellen CACT-Website (Stand Oktober 2026; bitte vorher prüfen).
- Rücksicht: Die Klippe ist ein empfindlicher Naturraum. Keine Drohnen, die Wege nicht verlassen und keine Vulkansteine als Andenken mitnehmen.