Teguise hat zwei Gesichter, und fast alle kennen nur eines. Das sonntägliche: Stände, Gedränge, Musik, Parkplätze, die schon am Vormittag voll sind. Und das eines beliebigen Dienstags: leere Pflastergassen, weiße Herrenhäuser mit Holzbalkonen, ein stiller Platz. Das zweite erklärt, warum dieser Ort jahrhundertelang das Zentrum der Insel war.

Die Hauptstadt von einst

Teguise war vom 15. Jahrhundert bis 1852 Hauptstadt Lanzarotes; dann ging der Titel an Arrecife am Hafen. Dass man die Stadt im Landesinneren anlegte, fern der Küste, hatte keine ästhetischen Gründe: Über das Meer kamen die Angriffe, und eine Hauptstadt im Inland ließ sich besser verteidigen.

Aus jenen Jahrhunderten ist eine bemerkenswert geschlossene Altstadt geblieben. Die Gassen haben ihren alten Maßstab bewahrt, die Häuser die traditionelle Bauweise, die César Manrique für die ganze Insel verteidigte: weiße Mauern, Holzwerk, Innenhöfe. Tahíche, wo sein Haus und seine Stiftung stehen, gehört übrigens zur Gemeinde Teguise.

Was man sich ansieht

Der Spaziergang ordnet sich wie von selbst um den Platz:

  • Die Kirche Nuestra Señora de Guadalupe, das wichtigste Gotteshaus des Ortes, mit einer langen Geschichte des Wiederaufbaus nach mehreren Bränden.
  • Der Palacio Spínola, ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert am Platz – ein gutes Beispiel dafür, wie die Oberschicht der alten Hauptstadt lebte.
  • Die Gassen ringsum, die man am besten ohne Karte durchstreift: große Tore, Gitterfenster, schattige Winkel.

Viel mehr gibt es nicht zu sehen, und das ist ein Glück. Teguise genießt man wegen seines Rhythmus, nicht wegen einer Liste von Sehenswürdigkeiten.

Die Burg auf dem Vulkan

Am Ortsrand, auf dem Vulkan Guanapay, steht das Castillo de Santa Bárbara, heute Sitz des Piratenmuseums. Auf dem Kraterrand errichtet, bewachte es die Insel in den Jahrhunderten, in denen Piraten eine reale Gefahr waren – und genau diese Geschichte erzählt das Museum: die einer Insel, die voller Sorge auf den Horizont blickte.

Der Weg hinauf lohnt sich schon wegen der Aussicht. Von oben erschließt sich die Geografie Lanzarotes auf einen Blick: der Ort zu Füßen, das vulkanische Inland, die Küste in der Ferne. Am schönsten am späten Nachmittag, wenn das Licht golden über die Lavafelder fällt.

Der Markt – wenn man ihn sucht

Der Markt von Teguise findet jeden Sonntag von 9 bis 14 Uhr statt und füllt die Altstadt mit Ständen. Er ist der bekannteste der Insel und hat sein Publikum. Wer hinwill, sollte früh kommen: Die Parkplätze am Ortsrand sind meist schon am Vormittag voll.

Unser Rat ist dennoch ein anderer: Erleben Sie Teguise an einem Werktag. Der Ort ohne Menschenmassen ist es, der den Besuch rechtfertigt, und sonntags ist er sich selbst am wenigsten ähnlich.

Wie es passt

Teguise liegt in der Inselmitte, nicht weit von Arrecife und dem Flughafen. Gut kombinieren lässt es sich mit Manriques Haus in Tahíche am Vormittag und dem Castillo de Santa Bárbara am späten Nachmittag. Wer Zeit für den Norden hat, fährt weiter nach Haría und zum Mirador del Río.

Wo und was man isst, steht in unserem Ratgeber Essen auf Lanzarote.

Öffnungszeiten von Museum und Kirche: bitte vor dem Besuch prüfen (Stand Oktober 2026).