Manche Landschaften betrachtet man, andere isst man. Die Salinas de Janubio an der Südwestküste Lanzarotes sind beides zugleich: ein Mosaik aus Becken in Ocker, Rosa und Weiß am Rand einer Lagune – und die Herkunft des Salzes, das viele Köche der Insel auf dem Tisch stehen haben.

Der Ort

Janubio ist eine Salzwasserlagune, die durch eine Barre aus Sand und runden Steinen, den Callaos, vom Meer abgetrennt wurde. Auf dieser Grundlage entstanden Ende des 19. Jahrhunderts die Salinen: ein Netz flacher Becken, in die Meerwasser einströmt, sich verteilt und ruht, bis Sonne und Wind ihre Arbeit getan haben. Sie zählen zu den größten der Kanaren und sind bis heute in Betrieb.

Die Umgebung ist heute ein geschütztes Naturgebiet. Daraus ergeben sich ein paar einfache Regeln: Man schaut von den Wegen und den dafür vorgesehenen Stellen aus, betritt weder die Becken noch das Ufer der Lagune, und nimmt keine Rollsteine und keine Steine von der Barre zwischen Lagune und Meer mit.

Warum es anders ist

Meersalz aus einer traditionellen Saline ist kein Tafelsalz unter anderem Namen. Es kristallisiert langsam unter freiem Himmel und wird von Hand geerntet statt raffiniert. Am meisten geschätzt ist die Flor de Sal: die feine Kruste, die sich an der Wasseroberfläche bildet und behutsam abgeschöpft wird, bevor sie absinkt. Sie knackt zwischen den Zähnen und kommt erst zum Schluss auf den Teller, nicht in den Topf.

Auf Lanzarote gibt außerdem der Wind den Ton an. Es ist derselbe Passat, gegen den in La Geria jeder Rebstock eine Mauer braucht – hier arbeitet er für die Salzgewinnung und beschleunigt die Verdunstung in einem ohnehin trockenen Klima.

Bei Tisch

Auf einer Insel der Fischer war Salz jahrhundertelang das Mittel, Fisch ohne Kühlung haltbar zu machen. Heute zeigt es sich am besten in einfachen Gerichten:

  • Gegrillter Fisch, mit einer Prise grobem Salz oder Flor de Sal direkt vor dem Servieren.
  • Papas arrugadas, kanarische Kartoffeln, die in sehr salzigem Wasser gekocht werden, bis sich die Schale unter einem feinen weißen Belag runzelt. Dazu gehört Mojo.
  • Tomate, Avocado oder Ziegenkäse von der Insel, nur mit Öl und einer Prise Flor de Sal.

Wer etwas mit nach Hause nehmen möchte, fragt am besten direkt in der Saline: Salz ist das einzige Andenken an diese Landschaft, das man mitnehmen kann, ohne ihr zu schaden.

Wie man sie sieht

Die Saline bietet Führungen an, meist mit einer Verkostung ihrer Salze; klären Sie die Einzelheiten vorab direkt mit dem Betrieb (Stand: Oktober 2026). Auch ohne Führung lässt sie sich von oben gut überblicken, von der Straße aus, die zur Küste hinabführt.

Die Uhrzeit spielt eine Rolle: In der tief stehenden Nachmittagssonne wechseln die Becken ihre Farbe, und das Wasser spiegelt den Himmel. Janubio ist zudem der natürliche erste Halt auf der Westküstenroute über Los Hervideros und El Golfo: das Salz betrachten, mit sinkendem Licht nach Norden weiterfahren und zum Sonnenuntergang vor dem Charco de los Clicos ankommen.